Haushaltsrechnung für die Baufinanzierung: so rechnet die Bank

Die Haushaltsrechnung ist das Herzstück jeder Kreditprüfung. Mit ihr beantwortet die Bank die Frage, ob nach allen festen und variablen Ausgaben genug für die Rate übrig bleibt, und zwar dauerhaft. Wer seine Haushaltsrechnung vorher selbst aufstellt, weiß, welcher Kredit realistisch ist, kann Rückfragen souverän beantworten und erkennt rechtzeitig, an welchen Stellen es eng wird. Dieser Ratgeber erklärt Aufbau und Logik, zeigt typische Fehler und nennt amtliche Vergleichswerte für die Lebenshaltung.
Der Aufbau in drei Blöcken
Eine Haushaltsrechnung besteht aus drei Teilen. Oben stehen die regelmäßigen Einnahmen, in der Mitte die regelmäßigen Ausgaben, unten der Überschuss. Dieser Überschuss ist der Betrag, aus dem die Kreditrate bezahlt wird. Banken nennen ihn auch Kapitaldienstfähigkeit.
Wichtig ist der Blick nach vorn. Die Haushaltsrechnung beschreibt nicht den Ist-Zustand als Mieter, sondern den Zustand nach dem Kauf. Die Miete entfällt, dafür kommen Nebenkosten und Instandhaltung des Eigentums hinzu. Auch Veränderungen, die absehbar sind, gehören hinein: ein Kind, das unterwegs ist, ein Auto, das in zwei Jahren ersetzt werden muss, oder ein befristeter Vertrag, der ausläuft.
Welche Einnahmen Banken anerkennen
Anerkannt werden regelmäßige, belegbare Einkünfte. Bei Angestellten sind das die Nettogehälter laut Abrechnung, Sonderzahlungen meist anteilig. In der Probezeit oder bei Befristung sind viele Banken zurückhaltend. Selbständige belegen ihr Einkommen über die Einkommensteuerbescheide und Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre, oft wird der Durchschnitt angesetzt.
Kindergeld von 259 € je Kind zählt bei den meisten Banken, ebenso Elterngeld für die Dauer des Bezugs. Mieteinnahmen werden häufig nur zu einem Teil berücksichtigt, weil Leerstand und Reparaturen möglich sind. Unterhalt zählt, wenn er tituliert und dauerhaft ist. Nicht anerkannt werden in der Regel einmalige Zahlungen, unregelmäßige Nebenjobs und erwartete Gehaltserhöhungen.
Lebenshaltung: Durchschnittswerte von Destatis
Den größten Ausgabenblock bildet die Lebenshaltung. Banken nutzen dafür eigene Pauschalen, die sie nicht veröffentlichen. Als neutrale Gegenprobe eignen sich die Laufenden Wirtschaftsrechnungen des Statistischen Bundesamts. Für 2024 ergeben sich ohne den Block Wohnen folgende monatliche Konsumausgaben: Alleinlebende rund 1.190 €, Alleinerziehende rund 1.725 €, Paare ohne Kind rund 2.530 € und Paare mit Kindern rund 3.080 €.
Die Werte steigen mit dem Einkommen. Haushalte mit 3.600 bis 5.000 € netto gaben ohne Wohnen im Schnitt rund 2.165 € aus, Haushalte ab 5.000 € rund 3.410 €. Wer deutlich unter diesen Werten liegt, sollte seine eigenen Ausgaben genau belegen können, denn die Bank wird nachfragen.
Feste Ausgaben, die oft vergessen werden
Neben dem täglichen Konsum gibt es Zahlungen, die nicht in den Destatis-Werten stecken und in vielen Selbstrechnungen fehlen. Dazu gehören private Versicherungen wie Haftpflicht, Berufsunfähigkeit und Risikolebensversicherung, Beiträge zur Altersvorsorge, Sparpläne für Kinder, Unterhaltszahlungen und Mitgliedsbeiträge.
Besonders wichtig sind bestehende Kreditraten, etwa für Auto oder Möbel. Sie stehen in der Schufa und werden von der Bank vollständig abgezogen. Wer einen kleinen Konsumkredit vor dem Hauskauf ablöst, erhöht seinen Spielraum oft stärker als durch jede Sparmaßnahme. Auch Leasingraten und Ratenkäufe zählen dazu.
Wohnkosten nach dem Einzug
Für die Zeit nach dem Kauf setzt die Bank Bewirtschaftungskosten an: Heizung, Strom, Wasser, Abwasser, Müll, Grundsteuer, Gebäudeversicherung und Instandhaltung. Viele Institute rechnen mit einer Pauschale je Quadratmeter. Bei einer Eigentumswohnung ist das Hausgeld laut Wirtschaftsplan ein guter Anhaltspunkt, dazu kommen Strom und die Grundsteuer.
Bei Häusern liegt die Verantwortung für alle Reparaturen beim Eigentümer. Eine monatliche Rücklage ist deshalb Pflicht, auch wenn sie in den ersten Jahren nicht gebraucht wird. Wer das ignoriert, finanziert eine neue Heizung später über einen teuren Kredit. Für die erste Rechnung reichen 3 bis 4 € je Quadratmeter und Monat für Betrieb und Rücklage, für ältere Gebäude eher mehr.
Puffer und Belastungsquote
Am Ende steht der Überschuss. Davon sollte nicht alles in die Rate fließen. Ein Puffer von 5 bis 10 % der Einnahmen fängt Preissteigerungen und unregelmäßige Ausgaben auf. Zusätzlich prüfen Banken die Belastungsquote, also das Verhältnis von Rate zu Nettoeinkommen. Üblich sind höchstens 35 %, bei hohen Einkommen auch 40 %.
Maßgeblich ist der kleinere Wert aus Überschuss und Quote. Bei kleinen Einkommen begrenzt meist die Haushaltsrechnung, bei großen die Quote. Unser Haushaltsrechner zeigt beide Grenzen nebeneinander und rechnet die tragbare Rate direkt in ein Darlehen um.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Der häufigste Fehler ist ein zu optimistischer Ansatz für die Lebenshaltung. Wer seine Ausgaben aus dem Gedächtnis schätzt, liegt fast immer zu niedrig. Der zweite Fehler ist, die Miete nicht durch die Kosten des Eigentums zu ersetzen, sondern einfach wegzulassen. Der dritte ist das Vergessen absehbarer Veränderungen, vor allem Elternzeit.
Die Lösung ist einfach, aber mühsam: drei Monate Kontoauszüge durchgehen, Ausgaben in Blöcke sortieren, jährliche Zahlungen auf den Monat umrechnen und die Werte mit den Destatis-Durchschnitten vergleichen. Wer das einmal gemacht hat, geht deutlich sicherer in das Bankgespräch.
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Ein Paar mit einem Kind verdient zusammen 4.800 € netto, dazu kommen 259 € Kindergeld. Die Einnahmen betragen also 5.059 €. Für die Lebenshaltung setzen wir die Destatis-Werte für Paare mit Kindern ohne Wohnen an: rund 696 € für Lebensmittel, 409 € für Kleidung und Einrichtung, 686 € für Mobilität, 952 € für Freizeit, Gastronomie und Kommunikation sowie 338 € für Gesundheit, Bildung und Sonstiges, zusammen 3.081 €.
Für ein Haus mit 120 Quadratmetern rechnen wir mit 4 € je Quadratmeter für Betrieb und Rücklage, also 480 €. Ein Puffer von 5 % der Einnahmen kostet 253 €. Übrig bleiben 1.245 €. Die 35-%-Grenze läge bei 1.771 €. Angesetzt wird der kleinere Wert, also rund 1.245 €. Bei 3,81 % Zins und 2 % Tilgung trägt das ein Darlehen von gut 257.000 €.
Die Rechnung vor dem Bankgespräch prüfen
Bevor du zur Bank gehst, lohnt ein kritischer Blick auf die eigene Rechnung. Stimmen die Einnahmen mit den letzten drei Gehaltsabrechnungen überein? Sind alle Kredite, Leasingverträge und Ratenzahlungen erfasst, auch kleine? Sind jährliche Zahlungen wie Versicherungen, Kfz-Steuer oder Mitgliedsbeiträge auf den Monat umgerechnet? Und ist die Lebenshaltung realistisch oder geschönt?
Hilfreich ist ein Abgleich mit zwei Vergleichswerten: dem Destatis-Durchschnitt deines Haushaltstyps und dem Durchschnitt deiner Einkommensklasse. Liegst du deutlich unter beiden, solltest du erklären können, warum. Unser Haushaltsrechner zeigt beide Vergleichswerte direkt neben deinem Ergebnis an. Er rechnet außerdem die tragbare Rate in ein Darlehen um, sodass du mit einer konkreten Zahl ins Gespräch gehst.
Wenn mehrere Personen kaufen
Kaufen zwei Personen gemeinsam, fließen beide Einkommen in die Haushaltsrechnung, und beide haften in der Regel gesamtschuldnerisch für den Kredit. Für die Bank ist das ein Vorteil, weil zwei Einkommen ein geringeres Ausfallrisiko bedeuten. Für die Käufer heißt es, dass jeder im Zweifel für die volle Rate einstehen muss.
Plant daher gemeinsam, was passiert, wenn ein Einkommen wegfällt, etwa durch Elternzeit, Krankheit oder eine Trennung. Eine Rate, die nur mit beiden Vollzeitgehältern funktioniert, ist ein Risiko. Nicht verheiratete Paare sollten außerdem regeln, wie das Eigentum im Grundbuch verteilt ist und wer bei einer Trennung was erhält.
Selbst rechnen
Mit dem Haushaltsrechner rechnest du deinen Fall mit vollständigem Rechenweg nach. Kaufnebenkosten bis auf den Euro: kaufnebenkostencheck.de.
Häufige Fragen
Wie detailliert muss die Haushaltsrechnung sein?
So detailliert, dass du jeden Block begründen kannst. Banken arbeiten mit Pauschalen, fragen aber nach, wenn deine Angaben stark abweichen. Kontoauszüge sind die beste Grundlage.
Zählt das Elterngeld als Einnahme?
Für die Dauer des Bezugs berücksichtigen es viele Banken. Weil es befristet ist, muss die Rate auch danach tragbar sein, wenn ein Einkommen in Teilzeit fortgeführt wird.
Muss ich Sparraten angeben?
Laufende Sparverträge sind keine Pflichtausgabe, aber wer sie nicht einplant, verzichtet auf Vermögensaufbau. Altersvorsorge sollte weiterlaufen, auch wenn das Budget dadurch kleiner wird.
Wie berücksichtige ich jährliche Ausgaben?
Teile sie durch zwölf und rechne sie in den passenden Block ein, zum Beispiel Kfz-Versicherung, Urlaub oder Geburtstage.
Was passiert, wenn die Haushaltsrechnung negativ ist?
Dann trägt das Einkommen keine Kreditrate, und die Bank wird keine Finanzierung zusagen. Die Stellschrauben sind niedrigere Ausgaben, ein höheres Einkommen oder ein deutlich kleineres Vorhaben.
Redaktion
Recherchiert von der Redaktion HausKaufBudget.de, zuletzt geprüft am 13.10.2026. Zahlen belegen wir mit Quelle und Stand, Beispiele rechnen wir mit denselben Formeln wie die Rechner. Keine Finanzierungsberatung. Fehler gefunden? Schreib uns.